Thais
Im internationalen Repertoire steht diese Oper Massenets an einem hervorragenden Platz. Daß sie sich auf deutschsprachigen Theatern nie völlig durchsetzen konnte, dürfte seinen Grund nicht in der "süßlichen" Musik haben, wie manchmal zu lesen steht, denn die war noch nie ein Hindernis für weite Verbreitung eines Musikwerkes; eher vielleicht darin, daß unsere Theater weniger auf den Starkult eingestellt waren und sind als die Frankreichs, Italiens, Nordamerikas, und "Thais" ist eine Staroper.
Massenet komponierte die Hauptrolle für die blendende Sybil Sanderson; dann übernahm sie Mary Garden und führte sie jahrelang zum Triumph. Die geniale Maria Jeritza - prachtvoll in der Erscheinung, hinreißend im Spiel, betörend im Gesang - war vielleicht die letzte große "Thais" unserer Opernbühnen. Sie besaß die Sinnlichkeit, die Massenet hier in Musik gesetzt hat.
Das Libretto (von Louis Gallet, der sich auf einen Roman von Anatole France stützt) handelt von der Venuspriesterin Thais, deren Orgien vierhundert Jahre nach Christi Geburt ganz Alexandrien in Raserei versetzen, und von Atanael, dem jungen Mönch, der sich aufmacht, um ihrem Treiben ein Ende zu bereiten.
Thais, des hohlen Lebens müde, folgl der Gläubigkeit des Mönches, ersehnt ein neues, wahres Dasein und stirbt im Frieden eines Klosters, während Atanael, nun in Liebesraserei zu seiner schönen Bekehrten entflammt, sich grausam selbst des Betrugs und der Falschheit anklagt. Von den vielen Melodien, die Massenet über dieses Buch gebreitet hat, ist eine weltberühmt geworden: die sogenannte "Meditation", die zuerst als instrumentales Zwischenspiel auftritt und im Finale den Tod Thais' begleitet.
Die Uraufführung fand in Paris am 16. März 1894 statt (Opera Comique), wo das Werk bis zum Zweiten Weltkrieg mehr als 600mal gegeben wurde.
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Hauptdarsteller
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